Eselspinguine lassen sich durch ihren orangenen Schnabel leicht von anderen Pinguinarten unterscheiden. Obwohl die Vögel je nach Lebensraum etwas kleiner oder grösser sein können, galt der Eselspinguin bisher als eine Art. Biologen der University of Bath haben nun die Genome verschiedener Kolonien untersucht. Dabei haben sie festgestellt, dass sich das Erbgut der Pinguine stärker unterscheidet als bisher angenommen. Die Unterschiede seien so gross, dass man Eselspinguine eigentlich in vier eigenständige Arten einteilen müsste.

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Auf den ersten Blick sind alle gleich: P. ellsworthi Eselspinguin auf der Livingston-Insel, Südshetlandinseln (Bild: Eva Fuchs)

Die untersuchten Populationen liegen auf den Falklandinseln, auf den Südshetland-Inseln in der Antarktis, auf dem Kerguelen-Archipel im indischen Ozean sowie auf Südgeorgien im Südatlantik. Die Populationen sind geographisch isoliert und haben keinen Kontakt untereinander. Auf diese Weise konnten sich die Populationen im Laufe der Zeit voneinander unabhängig entwickeln. „Die Eselspinguine neigen dazu, in der Nähe ihrer Hauptkolonie zu bleiben (…) und kreuzen sich nicht mehr untereinander, obwohl sie die Distanz zwischen sich problemlos schwimmen könnten“, erklärt Studienleiterin Dr. Jane Younger.

Die Genomdaten wurden mit Messungen von Museumsexponaten kombiniert. Dabei wurden auch die physischen Unterschiede zwischen den vier Populationen sichtbar. „Zum ersten Mal haben wir gezeigt, dass diese Pinguine nicht nur genetisch verschieden sind, sondern auch physisch“, so Younger. Der Doktorand und Erstautor der Studie Josh Tyler ergänzt: "Die Arten sehen für das ungeübte Auge sehr ähnlich aus, aber als wir ihre Skelette gemessen haben, haben wir auch statistisch signifikante Unterschiede in der Länge ihrer Knochen sowie in der Grösse und Form ihrer Schnäbel festgestellt. (…) Es ist eine ähnliche Geschichte wie bei den Giraffen, die 2016 als vier genetisch unterschiedliche Arten eingeteilt wurden."

Südgeorgien-Eselspinguine (P. poncetii) leben nördlicher in einem etwas milderen Habitat. (Bild: Vreni Gerber)
Südgeorgien-Eselspinguine (P. poncetii) leben nördlicher in einem etwas milderen Habitat. (Bild: Vreni Gerber)

Bisher hatte man die Eselspinguine mit dem lateinischen Namen Pygoscelis papua in zwei Unterarten unterteilt: Pygoscelis papua ellsworthi und Pygoscelis papua papua. Die Forscher schlagen vor, diese beiden Unterarten neu auf Artenebene zu setzen und die Gattung der Langschwanzpinguine (Pygoscelis) mit zwei weiteren neuen Arten zu ergänzen. Die Bezeichnung Pygoscelis papua soll für die Art auf den Falklandinseln gelten, der Eselspinguin der Antarktischen Halbinsel und der Südshetlandinseln wird zum Pygoscelis ellsworthi. Die beiden weiteren Arten sollen Pygoscelis poncetii (für den Südgeorgischen Eselspinguin) und Pygroscelis taeniata (für den Kerguelen Eselspinguin) genannt werden.

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Karte der untersuchten Populationen. (Bild: Wikimedia Commons)

Die Ergebnisse der Studie werden jetzt von einem internationalen Wissenschaftskomitee überprüft, bevor die Re-Klassifizierung offiziell akzeptiert wird. Sollte die Prüfung positiv ausfallen wird sich die Anzahl der Pinguinarten von aktuell 18 auf 21 erhöhen.

Quellen: University of Bath / Ecology and Evolution